Als ich erfuhr, dass sich im Theater von
Ste Marie ein Kinosaal befindet, war ich zunächst hellauf begeistert. Ich erwartete angesichts der bescheidenen,
historistischen Außenfassade des Theaters eine gemütliche Inneneinrichtung mit elektronischen Kronleuchternachbauden und viel Holz. Was ich von außen als
hui empfand, stellte sich innen als
pfui herraus. Ich wurde sehr an ein lieblos eingerichtetes
Schulgebäude erinnert. Schließlich wurde mir dann doch eine kauziger Kinosaal präsentiert, der zwar nicht gemütlich war, aber doch irgendwie
Ste Marie entsprechend schäbig ( ich glaub ich war der einzige der, als das Filmband für kurze Zeit komische
Geräusche von sich gab, schmunzeln musste )

Um die Schule ging dann schließlich auch der einzige Film der lief "entre
les murs".
Francois Bégaudeau, der Autor der Buchvorlage spielt darin den Junglehrer
Francois Marin, aus dessen Sicht einige
Schultage mit all ihren Tragödien, wie Gewalt,
Schulausschluss und
Zukunftängste erzählt werden. Ähnlich unspektakulär wie die Handlung, endet der Film dann schließlich mit einem gemeinsamen Fußballspiel zwischen Lehrern und Schülern - keine explosionsartige
Handlungwechsel oder karikative Zurschaustellungen von Jugendgewalt oder dem
Schulsystem.
Das Stichwort des Films ist Authenzität. Laurent Cantet skizziert den Tagesablaufs des Lehrers in einem "Quartier Chaude" von Paris so authentisch, dass sich der Zuschauer am Ende fragt welche Nachricht der Film transportieren möchte. Die Antwort ist eigentlich einfach - der Film will keine Nachricht transportieren. Es ist eine Abbildung alltägliche Geschichte , die wir ob es nun auf der Kinoleinwand ist oder im richtigen Leben unterschiedlich warnehmen.
Für mich, der sich an die Schule nur als ein großes, notwendiges Trauma erinnert, ist am Ende doch ein sehr persönliches Fazit hängen geblieben.
In dem Makrokosmos Schule überlebt man nur, indem man sich entweder sklavisch an vorgegebene einschichtige Systeme und Regeln hängt, oder in dem man die Regeln auf ein notwendiges Minimum beschränkt und mit Charisma, Eloquenz und Genialität ausgleicht.
Der französische Trailer:
und noch mal auf deutsch. Vorsicht! Schmerzhafte Übersetzer lassen sich nicht vermeiden