Samstag, 22. November 2008

Die 68 und die ersten Schneeflocken


Jeder halbwegs gute Fotograph wird in diesem Augenblick Augenkrebs von diesem Bild bekommen. Die Beleuchtung ist schlecht und wenn überhaupt vorhanden grauenvoll eingesetzt und gnagnagna etc. 
Der Grund warum ich es dennoch hochlade sind die zwei störenden Flecken rechts. 
Per Zufall, als ich einen der wenigen Tags ( Die "68" die Zahl des Departement "Unterrhein" vom Elsass ) von Ste Marie photographieren wollte, fielen mir diese zwei Schnellflocken auf die Kamera und als ich die Kamera absenkte, stellte ich fest, dass es anfing zu schneien. Ich musste lächeln, denn diesen Morgen hatte ich mir Schnee gewünscht, was sämtliche Kollegen die mit dem Auto von außerhalb kommen gar nicht wünschenswert fanden.

Es schneit! Hurray


"Entre les murs" à la ste marienne

Als ich erfuhr, dass sich im Theater von Ste Marie ein Kinosaal befindet, war ich zunächst hellauf begeistert. Ich erwartete angesichts der bescheidenen, historistischen Außenfassade des Theaters eine gemütliche Inneneinrichtung mit elektronischen Kronleuchternachbauden und viel Holz. Was ich von außen als hui empfand, stellte sich innen als pfui herraus. Ich wurde sehr an ein lieblos eingerichtetes Schulgebäude erinnert. Schließlich wurde mir dann doch eine kauziger Kinosaal präsentiert, der zwar nicht gemütlich war, aber doch irgendwie Ste Marie entsprechend schäbig ( ich glaub ich war der einzige der, als das Filmband für kurze Zeit komische Geräusche von sich gab, schmunzeln musste )


Um die Schule ging dann schließlich auch der einzige Film der lief "entre les murs". Francois Bégaudeau, der Autor der Buchvorlage spielt darin den Junglehrer Francois Marin, aus dessen Sicht einige Schultage mit all ihren Tragödien, wie Gewalt, Schulausschluss und Zukunftängste erzählt werden. Ähnlich unspektakulär wie die Handlung, endet der Film dann schließlich mit einem gemeinsamen Fußballspiel zwischen Lehrern und Schülern - keine explosionsartige Handlungwechsel oder karikative Zurschaustellungen von Jugendgewalt oder dem Schulsystem.

Das Stichwort des Films ist Authenzität. Laurent Cantet skizziert den Tagesablaufs des Lehrers in einem "Quartier Chaude" von Paris so authentisch, dass sich der Zuschauer am Ende fragt welche Nachricht der Film transportieren möchte. Die Antwort ist eigentlich einfach - der Film will keine Nachricht transportieren. Es ist eine Abbildung alltägliche Geschichte , die wir ob es nun auf der Kinoleinwand ist oder im richtigen Leben unterschiedlich warnehmen.

Für mich, der sich an die Schule nur als ein großes, notwendiges Trauma erinnert, ist am Ende doch ein sehr persönliches Fazit hängen geblieben.
In dem Makrokosmos Schule überlebt man nur, indem man sich entweder sklavisch an vorgegebene einschichtige Systeme und Regeln hängt, oder in dem man die Regeln auf ein notwendiges Minimum beschränkt und mit Charisma, Eloquenz und Genialität ausgleicht.

Der französische Trailer:

und noch mal auf deutsch. Vorsicht! Schmerzhafte Übersetzer lassen sich nicht vermeiden

Dienstag, 4. November 2008

Maurice Lemaire Tunnel bleibt wohl unbefahren

Dass die Wirtschaft auf ein großes Blabla, das sich Kultur nennt, scheißt, sofern es sie nicht direkt tangiert, beweist mal wieder dieses Beispiel aus Ste Marie Aux Mines.

Im Laufe des letzten Monats wurde mit großem Tam-Tam der von der elsässischen Presse stolz als der längste Tunnel auf französischem Boden ( 6 872 km ) bezeichnete Maurice Lemaire Tunnel eingeweiht und gefeiert. Dieser stellt eine direkte Verbindung zwischen Ste Marie und Sélestat her, was an sich sinnvoll klingt. Was die meisten schon wussten, was sich Staat und Architekten aber nicht sagen lassen wollten, war, dass die Lkws einen großen Bogen um den Tunnel machen werden, um sich vor den Kosten zu drücken. Denn der Tunnelinhaber verlangt stolze 55,40 € für Kraftfahrzeuge.
Demnach ist die Durchschnittsrate von passierenden Fahrzeugen verglichen mit der Durschnittsrate vor den Umbauten beträchtlich gesunken. Vor der Schließung des Maurice Lemaire Tunnels passierten ca. 2500 bis 3000 Fahrzeuge den Tunnel. Nach der grandiosen Wiedereröffnung trauten sich ganze 1500 Fahrzeuge durch den Neubau, wobei die Presse anmerkt, dass es sich dabei sehr selten um LKWs handelt. Für den privaten Gebrauch kostet das Passieren des Tunnels immerhin nur 7,50 €. Dennoch genug, dass einige lieber Zug fahren.